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copy by h.bahl

 

 

“KUNSTBUNKER” ... 1984

 

“EINFACH NUR SO”  “ODER SO” ...

 

BRUTALE BlLDERWELT IM BUNKER

Das Marler “Gruselkabinett“

des Künstlers Helmut Bahl

Es ist bitter kalt. “So um fünf Grad.“ Ein schweres Tor schließt sich, eine graue Treppe, graue Wände, graue Kammern. ln einer dieser beängstigend monotonen Stuben ein Elektroöfchen, ein bißchen Wärme.

Hier hat sich der Gelsenkirchener Grafiker, Maler, Fotograf und Objektemacher Helmut Bahl 36, eingerichtet. Seit einem Jahr arbeitet er im alten, nun von ihm restaurierten Bunker am Marl-Sinsener Bahnhof.

Sein Atelier dient gleichzeitig als Galerie und multimediales Kulturforum für Lesung, Theater und Musik. Sirrende, teilweise der Wirklichkeit abgelauschte Klänge füllen die Räume und Flure, ein labyrinthisches Gruselkabinett als Gesamtkunstwerk auf 400 qm.

Bahl gewinnt aus dieser besonderen Atmosphäre des Bunkers –ist es nun die Nach- oder die Vorkriegszeit, die betroffen macht? - Visionen der Apokalypse, des Todes, des Schreckens, des Untergangs.

ln dunklen, 'mythischen und mystischen Farben und Szenen malt er Stationen einer verwundeten Seele. Oder er haut Brutales, Grobes, Mächtiges in klobiges Holz: wie stumme, martialische Wächter stehen Bahls Objekte am Beginn oder am Ende der langen Trostlosigkeit suggerierenden Gänge -Wege in die Einsamkeit einer Gesellschaft, die aus ihrer Geschichte scheinbar nichts gelernt hat. Bahl nimmt auf   seine Art Stellung zur Friedensdiskussion, zur Aufrüstung, zum möglichen nuklearen Holocaust.

“Ground Zero“ nennt er seine Einmann-Initiative; dieser Begriff aus der Waffensprache definiert den Kern einer atomaren Explosion – die “Sekunde Null“. Große,  überdimensionale Holzstühle vor dem Bunker, ein ebenso furchterregendes Sitzmöbel in einer dieser engen Kammern (von insgesamt 40): Symbole der Leere – aber auch, eine Einladung an Gleichgesinnte oder auch Fremde, Platz zu nehmen, die Stille des Bunkers auf sich einwirken zu lassen. Wer sich in diesem besonderen Ambiente freisprechen kann von Assoziationen des Chaos, der Katastrophe, des Überlebenskampfes, der steht gefühllos in dieser Zeit.

Bahl, selbst über Jahre hinweg sehr krank und dadurch in eine Randsituation gedrängt, arbeitet mit diesem Großprojekt eigene Probleme, eigene Biographie und eigenes Friedensverständis auf: “Kunst ist Seele”.

ORTSZEIT/ Mai 84

Jörg Loskill